Bin ich trans

Die Frage „Bin ich trans?“ kann in jeder Alterstufe aufkommen. Dabei gilt natürlich, je jünger die betroffene Person ist, desto weniger offensichtlich kann diese Frage gestellt werden. Dabei ist die Frage auf dem Papier oftmals ganz gut zu beantworten, aber nicht unbedingt im wahren Leben. Aber woran habe ich erkannt, dass ich trans bin?

Zurück in meine Kindheit

In meiner Kindergarten- und Grundschulzeit konnte ich kaum benennen, dass ich trans bin. Ich spielte mit der Barbie meines Bruders (jep, der hatte eine und ich nicht), wollte in den Pausen lieber mit den Mädchen Hüpfekästchen spielen und Seilspringen statt mit den Jungs und ich war immer ruhig und brav. Ich spielte aber genauso mit Actionfiguren von Master of the Universe und liebte Karate Kid. Ich schaute mir die Mädchen in meiner Klasse an und sie (viele davon) waren so, wie ich sein wollte. Ich stellte mir vor, ich bin Shannon Doherty in Beverly Hills 90210 (peinlich ;-)). Fußball kam auch irgendwann dazu, allerdings nur als Fan, nicht zum spielen, mir war das zu brutal. Ich habe mich in den Klamotten meiner Mutter vor den Spiegel gestellt und fand es schön, es war irgendwie richtig. Also nicht nur Mädchenzeug, was ich toll fand. Stereotypen sind doch von Vorgestern.

Pubertät und die Zerrissenheit

Die Pubertät ist für einen Teenager ohnehin sauschwer zu ertragen, für die Außenstehenden oft ungleich schwerer 😉 ich stand auf Mädels aber mir wurde immer mehr klar, dass ich auch ein Mädchen bin. Damals formulierte ich es wie viele andere es tun, dass ich ein Mädchen sein will – wie eine Verwandlung, am besten über Nacht und dann läuft das schon. Später habe ich das modifiziert und gesagt, wenn auch nur zu mir, ich bin ein Mädchen. Ein Mädchen, dem Haare an den unmöglichsten Stellen wuchsen – naja ihr wisst ja, was sich in der Pubertät alles verändert. Das Problem war, dass ich darauf überhaupt nicht klarkam, aber meinen Freundinnen, die ich dann so langsam hatte, gefiel es offensichtlich. Makeup, Perücke und Klamotten kamen irgendwann dazu, alles im Verborgenen.

Trans war mir immer noch kein Begriff damals, Mitte der Neunziger. Es ist am ehesten zu beschreiben, als ein Gefühl, ganz tief in einem drin. Erstens eine Zerrissenheit zwischen dem biologischen Geschlecht (klar männlich), und dem inneren Empfinden. Innendrin wusste ich, dass das so nicht richtig ist, das Ding zwischen meinen Beinen und alles andere, was das Mann sein mit sich brachte, war ein Problem. Wenn ich in den Spiegel sah, wenn andere mit mir sprachen, wenn ich in der Klasse mit Michael aufgerufen wurde.

Unsicherheit und Ängste haben meine Zerrissenheit verstärkt

Zweitens für mich logischerweise die Ängste und Unsicherheiten, die nach und nach aufgekommen sind. Angst vor Ablehnung und Unsicherheit, wie man wahrgenommen wird. Transsexualität oder einfach trans ist eine teils enorme Diskrepanz zwischen dem biologischen Geschlecht und dem eigenen Empfinden. Es ist eine Selbstfindung (oder Selbstdiagnose), die in dem Wissen besteht, nicht dem Geburtsgeschlecht anzugehören. In meinen Gutachten steht, dass ich seit mindestens drei Jahren zunehmend unter dem Zwang stehe, als Frau zu leben. Das ist dann auch die Bestätigung von außen, dass ich trans bin.

Trans und sexuelle Ausrichtung

Trans hat übrigens nichts mit der sexuellen Ausrichtung zu tun. Trans-Personen können Hetero, Bi, Homosexuell, Asexuell, Pan oder sonstwie sein, das hat damit rein gar nichts zu tun. Auch ich habe damals in meiner unaufgeklärten Jugend in den 90ern gebraucht, um das zu verstehen 🙂

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