Therapie für Transgender

Transsexueller Weg – Meine Psychotherapie

Eine begleitende Psychotherapie ist ja nun obligatorisch bei der Transition von Transgendern. Nicht, dass ich mich darum gerissen hätte, mich nun in Therapie zu begeben und mein ganzes Transleben durchzukauen. Aber mir war klar, dass es nicht anders geht, also habe ich mich kurz nach meinem letzten Outing und der Trennung mit meiner Ex auf die Suche nach einer passenden Therapiestelle gemacht.

Meine Erwartungen an die Therapie

Ich stellte mich für mich einige Kriterien auf, was die Therapie anging. Die Selbstdiagnose hatte ich ja schon durch, Geschlechtsdysphorie check 🙂 mir war wichtig, dass die Zeit bis zur Hormontherapie so kurz wie möglich sein soll. Das bedeutete für mich, kein Jahr Alltagstest ohne Hormone. Das war das wichtigste Kriterium. Zumindest in Gedanken war mir relativ einleuchtend, dass in dem Thema sehr bewanderte Therapeuten wahrscheinlich auf einen wie auch immer gearteten Alltagstest bestehen, bevor sie die Indikation für die Hormone schreiben. Ob ich damit richtig oder falsch liege, weiß ich nicht, aber das waren meine Gedanken. Das Einzige, was für mich in Frage kam, waren gleichzeitiger Start von Hormontherapie und Alltagstest.

Die Suche nach einem Therapeuten

Die Suche gestaltete sich dann relativ mühsehlig. Ich habe mich ja am 11. September 2018 (erneut) geoutet und dann auch von der Ex getrennt. Im Internet habe ich eine Liste auf transmann.de gefunden, die ich durchgegangen bin. Also klar, ich bin eigentlich eine Transfrau, aber gerade bei Therapeuten find ich das total egal. Jedenfalls habe ich hier einige Therapeuten gefunden, auch in Heidelberg, die viel Erfahrung haben. Zwei davon sollten später meine Gutachter für die Namensänderung sein 🙂 allerdings hatten alle genannten Therpauten keine Termine frei. Mal hieß es, melden Sie sich in sechs Monaten wieder, vielleicht ist dann was frei. Andere sagten mir noch nicht einmal ein Zeitfenster.

Also ging ich dazu über, Therapeuten anzuschreiben und anzurufen, die nicht auf der Liste standen. Hier sagten mir einige, dass sie mich gar nicht therapieren wollen oder können. Andere sagten mir, dass ich zwar in die Therapie kommen kann, aber das eine Indikation, also das Schreiben für die Hormone nicht ausgestellt wird. Dabei war das doch das Wichtigste für mich und der einzige Grund, warum ich in die Therapie wollte?!

Dann meldete sich zufällig eine Therapeutin bei mir, die angeschrieben hatte. Sie war gerade im Urlaub aber sie war durchaus bereit, mich zu behandeln. Auch sagte sie mir, dass sie eigentlich wenig Erfahrung mit der Marterie hat, aber sie kein Problem hat, sich in das Thema einzuarbeiten. Auch eine Indikation würde sie dann ausstellen. Ihr könnt euch sicher vorstellen, was für Luftsprünge ich gemacht habe 🙂 Nach rund einem Monat schon hatte ich meinen ersten Termin bei ihr und zwar am 18. Oktober 2018.

Mein erster Termin in der Psychotherapie

Mein erster Termin war in ihrer Praxis in Mannheim. Ich ging in Männerklamotten zum Termin und wurde aber direkt als Frau angesprochen. Das war für mich natürlich in Ordnung und auch sonst war sie mir total sympatisch. Sie war genau so alt wie ich und auch sonst fühlte ich mich wohl dort. Ich habe im Vorfeld einen transsexuellen Lebenslauf geschrieben, den ich ihr gab. Zudem habe ich ihr direkt gesagt, dass ich Angst vor einem Alltagstest ohne weibliche Hormone habe, ich aber schnellstmöglich dieses Schreiben haben will.

Sie erzählte mir von der neuen Leitlinie, die im Oktober rauskommen soll und es demnach einfacher sein wird. Einfacher in dem Sinne, dass sie einen Alltagstest vermutlich gar nicht will. Sie versprach mir, sich schnell einzulesen und mir beim nächsten Termin bescheid zu geben, was Masse ist. Zum Schluss sagte sie mir noch, dass sie die andere Hälfte der Woche in einer Praxis in Heidelberg arbeitet und ich auch dahin kommen kann, wenn ich möchte.

Meine folgenden Termine in der Therapie

Meine folgenden Termine fanden also demnach in Heidelberg statt. Für sie war schnell klar, dass ich meine Selbstdiagnose schon hatte. Die folgenden Termine drehten sich also darum, den Lebenslauf durchzugehen und auszuschließen, dass ich an Störungen leide, die mich nur glauben lassen, ich sei eine Frau. Mir hat vor allem gefallen, dass sie sich tatsächlich gut informiert hat und dass die Gespräche immer auf Augenhöhe waren. Sie rief bei der Krankenkasse an, um sich dort bezüglich der Hormontherapie und Transgender sowie Alltagstest zu informieren. Die Sachbearbeiterin sagte ihr, das sei Deutungshoheit der behandelnden Fachleute und die Kasse halte sich da komplett raus. Das war mir zumindest sowieso schon klar, zumindest geben alle Quellen im Internet das auch so her. Auch die Leitlinie (S.52-58), auf die sich meine Therapeutin komplett stützte war mir hier wohlgesonnen.

Wir sprachen auch viel über meine restliche Geschichte. Das Leben dreht sich ja nicht nur um Transgender und Geschlechtsdysphorie. Also sprachen wir auch über andere Dinge, meine Kindheit. Meine zurückliegenden Depressionen und vieles andere.

Warten auf das Schreiben zur Indikation

Ich ging zu allen Terminen in Männerklamotten, ich konnte mir ja auch erst nach und nach eine neue Garderobe zulegen. Auch war ich bei meinen Kindern noch nicht geoutet, aber mein Erscheinungsbild war meiner Therapeutin relativ egal. Es ging eher ums Innere und ich habe es bei ihr schnell geschafft, aus mir rauszukommen. Ich war offen und ehrlich und ziemlich froh, frei über meine Geschlechtsdysphorie reden zu können. Aber diese Warterei ging mir auf den Keks, es war wirklich eine gefühlte seelische Grausamkeit 🙂 es ist ja so: mir selbst war ich klar, dass ich eine Frau bin. Daran gab es nichts zu rütteln, ich hatte mich zudem überall geoutet und die Beziehung zu meiner Ex war beendet. Auch die Therapeutin sagte mir, sie sehe keinen Anhaltspunkt, der sie daran zweifeln ließe, dass ich wirklich Transgender bin. Aber sie muss sich erst informieren, wie so eine Stellungnahme für die Hormontherapie aussehen muss. Außerdem hat sie leider noch Urlaub gehabt, aber sie würde sich gleich danach dran setzen. Das war Mitte November 2018 – oh ich hasse warten.

Nach ihrem Urlaub dauerte es noch weitere zwei Termine, in denen wir eher über belangloses sprachen. Es war ja eh alles klar und alles erzählt. Mir ging es auch super und ich sagte ihr scherzhaft, dass mich das Warten ankotzt 🙂 sie vertröstete mich noch, da sie noch ein wichtiges Schreiben für einen anderen Patienten aufsetzen muss. Na danke 😉

Am 20. Dezember 2018 war es dann endlich soweit, kurz vor Weihnachten bestand der Termin eigentlich nur daraus, mir das Schreiben auszuhändigen, mit dem ich zu einem Endokrinologen gehen kann, der mir dann die Hormone verschreibt. In ganzen zwei Monaten habe ich es geschafft, ohne auch nur einmal in Frauenklamotten zur Therapie zu gehen, das Schreiben zur Indikation ausgestellt zu bekommen. Das Schreiben, was mein Leben nachhaltig verändern sollte, was ich wie einen Schatz in den Händen hielt. Ich war so glücklich. Was für ein geiles Weihnachtsgeschenk.

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