Wie fühlt es sich an eine Transfrau zu sein

Es ist eine schwer zu beantwortende Frage, wie es sich anfühlt, eine Transfrau zu sein. Pauschal kann man das sowieso nicht beantworten, denn Gefühle sind immer subjektiv. Deswegen kann ich diese Frage auch nur für mich beantworten, ob dies auch für andere so zutrifft, kann sein, aber ich denke, jeder definiert Gefühle anders.

Ich kenne es nicht anders

Zum einen, ich kenne das Gefühl nicht, keine Transfrau zu sein. Ich war immer schon Transgender, soweit ich eben zurückdenken kann. Ob ich es nun ausgelebt habe oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Daher kann ich auch schlecht einen Vergleich anstellen. Ob ich nun als Mann gelebt und Kinder gezeugt habe und aber immer die Zerrissenheit gespürt habe oder mein Leben als Frau lebte, ich war immer trans.

Zerrissenheit ist Allgegenwärtig

Dieses Gefühl, zwischen der männlichen Rolle und dem männlichen Geschlecht sowie der Gewissheit, dass es nicht zu mir gehört ein Mann zu sein, erzeugte über Jahre, eigentlich Jahrzehnte diese Zerrissenheit, über welche die meisten Transgender sprechen. Es ist vielleicht einleuchtend, dass dieses Gefühl auf Dauer Depressionen erzeugt und einen ständig auch an sich selbst zweifeln lässt. Bin ich bekloppt (sorry für die Wortwahl), wann hört dieses Gefühl endlich auf und so weiter. Es tut durchaus weh, seelisch, andere Frauen zu sehen, die als Frau geboren wurden. Frauen, die sicherlich auch ihre Probleme haben, aber die hat ja jeder 🙂 allerdings habe ich selten so etwas essentielles gespürt, wie mit den falschen Geschlechtsmerkmalen leben zu müssen. Das führte teilweise zu Umständen, in denen ich mich schlechter fühlte als andere Menschen und mich regelrecht zurückgezogen habe. Auch Freundschaften oder Beziehungen knüpfen fiel mir über die Jahre immer schwerer. Wie soll man andere lieben, wenn man sich selbst nicht leiden kann?

Manchmal ist es wie im Affenhaus

Aber auch, wenn die Rolle als Frau nun ausgelebt werden kann, ist es nicht so einfach. Keine Frage, es ist für mich viel angenehmer geworden, seitdem ich mich als Frau anreden lasse und auch darauf bestehe, seitdem ich mich nach außen auch als Frau zeige. Auch die Hormone haben da einen großen Teil zu meiner positiven Eigenwahrnehmnung beigetragen. Ich bin nicht glücklich, aber glücklicher.

Doch manchmal ist es tatsächlich wie im Affenhaus. Meist sind es die älteren Semester, aktuell vor allem die Frauen, die mich teilweise so anstarren, als hätte ich den fettesten Popel 😉 im Gesicht hängen, den die Welt je gesehen hat. Während mich jüngere Menschen auch anschauen, was ja in Ordnung ist, ist es aber die Art und Weise, die mich stört. Die Jüngeren lächeln oft oder sagen Hallo, manchmal kommt ein verstohlener Blick aus den Augenwinkeln. Aber die Älteren haben kaum irgendeinen Gesichtsausdruck, etwas, dass mich durchaus zweifeln lässt. Dann denke ich mir, warum glotzt die jetzt so? Ist mein Passing Mist oder habe ich wirklich was im Gesicht hängen?

Abgesehen davon, dass sich dieses Glotzen einfach nicht gehört (das weiß sogar meine vierjährige Tochter), verstärkt es durchaus eventuelle Unsicherheiten. Neugierde hin oder her, sowas gehört sich einfach nicht, genauso wenig glotzt man Übergewichtige oder Menschen mit Behinderungen an. Manche Außenstehende denken nicht von der Tapete bis an die Wand und haben ihre gute Kinderstube vergessen.

Meine eigene Wahrnehmung schwankt

Es gibt Tage, da fühle ich mich richtig schön. Da geht dann das Makeup drauf wie durch Magie, ich lächel mich dann morgens schon im Spiegel an und könnte die Welt umarmen. Das trage ich auch nach außen, ich lächel viel mehr und bin extrovertierter als sonst. Ich werde dann genauso angeglotzt, das ist mir klar, aber mir ist es dann total egal oder ich lache drüber. Dann gibt es Tage, wo mich die Unsicherheiten ganz schön mitnehmen können. Es ist eine Art Ambivalenz, die ich noch nicht ganz in den Griff bekommen habe. Aber auch dafür ist die Psychotherapie ganz gut, hier kann ich mich über meine Mitmenschen auskotzen, immer mit dem Wissen, dass ich die Menschen nicht ändern kann, sondern nur meine Art, mit ihnen umzugehen 🙂 und es wird jeden Tag besser.

 

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