Mein Antrag auf Barthaarentfernung wurde abgelehnt

Ganz ehrlich, ich hab grad keine Lust mehr 🙁 nach Monaten des hin und her habe ich mich entschlossen, meinen Antrag auf Barthaarentfernung bei der Krankenkasse zurückzuziehen. Grund dafür ist die sture und etwas absurde Haltung der Krankenkasse, die sich hier auf Entscheidungen des Medizinischen Dienstes bezieht. Aber am besten erzähle ich euch alles mal von Anfang an.

Meine Vorbereitungen für die Barthaarentfernung

Ich habe mich damals über die WhatsApp-Gruppe meiner Selbsthilfegruppe informiert, welchen Anbieter und welche Art meine Leidensgenossinnen denn in Betracht gezogen haben, um sich die Barthaare entfernen zu lassen. Heraus kam der Anbieter Hairfree, der reines Licht als Haarentfernung benutzt. Also habe ich dort angerufen und einen Termin ausgemacht. Die Beratung in der Praxis (heißt das so?) war wirklich top. Mit Transgendern hatte die Mitarbeiterin augenscheinlich gar keine Probleme, sie hatte schon selbst mehrere Patientinnen, die Transgender als Background hatten. Okay umso besser 😉

Da ich immer eine gereizte Haut nach dem rasieren hatte und nicht geschminkt war, konnte man sehr gut sehen, was die Rasur in meinem Gesicht alles angerichtet hat. Rötungen, teilweise durchsetzt mit roten Pickelchen (vielleicht am besten vergleichbar mit dem Zustand, wenn man sich an Armen oder Beinen epiliert hat – ihr kennt es bestimmt). Ich benutzte zwar immer einen 5-Klingen-Rasierer, der womöglich einen noch schlimmeren Zustand verhinderte, aber es sah wirklich mies aus – und es tat weh.

Die Mitarbeiterin machte ein paar Fotos und druckte sie in Farbe aus. Dann erstellte sie einen Kostenvoranschlag für die Haarentfernung – angesetzt wurden 10 Sitzungen à 300 Euro (den Gesamtpreis könnt ihr euch ausrechnen 😉 ).

Mein Antrag für die Barthaarentfernung bei der Krankenkasse

Mit Kostenvoranschlag, den Bildern von Hairfree, der Stellungnahme meiner Therapeutin für die Hormontherapie und meinem transsexuellen Lebenslauf hab ich mich im März 2019 an die Krankenkasse gewandt. Geschrieben, dass ich Trans bin, unter dem Bartwuchs leide, eben auch mit Schmerzen, gestützt durch die Bilder. Dass ich, wenn die durchaus teure Haarentfernung mit Licht nicht genehmigt wird, ich dennoch die Entfernung mit Nadelepilation beantrage.

Rund zwei Monate später! bekam ich dann die Nachricht von meiner Krankenkasse, dass die Behandlung nicht übernommen wird. Der MDK, an den sich die Krankenkasse gewandt hat, erklärte zwar, dass ich diverse Punkte erfülle, wie zum Beispiel, dass die Diagnose durch meine Therapeutin gesichert ist, dass psychische Ausschlusskriterien nicht existieren, die Hormonersatztherapie erfolgt und ein krankheitswertiger Leidensdruck vorliegt.

Allerdings erfüllte ich nicht die Dauer der Behandlung bei der Therapeutin und machte noch keine 12 Monate Alltagstest. Also wurde der Antrag abgelehnt.

Meine Gedanken zur Ablehnung meines Antrages

Es ist okay, wenn meine Therapeutin mir Zugang zu Hormonen ermöglicht, die mich salopp ausgedrückt kastrieren und mir Brüste wachsen lassen. Mein gesamtes Erscheinungsbild verändern. Noch dazu hat meine Therapeutin, immerhin eine studierte Fachkraft, auch eine Barthaarentfernung empfohlen um den Leidensdruck zu verringern. Vielleicht interessant zu wissen, das war mir anfangs auch nicht so klar: Dass mir Hormone verschrieben werden liegt im Ermessen meiner Ärzte und Therapeutin, da hat sich die Krankenkasse nicht einzumischen, sie müssen halt nur zahlen.

Die Barthaarentfernung, auch wenn ein Leidensdruck vorliegt, wird als kosmetischer Eingriff gesehen, wo die Krankenkasse mehr Spielraum hat und direkt den MDK hinzuzieht. Und eben dieser MDK ist erfahrungsgemäß auf Vorgestern getaktet. Soll heißen, selbst wenn die aktuellen Leitlinien zur Behandlung von Transgendern besagen, dass eine Barthaarentfernung schon zu Beginn der Transition ermöglicht werden soll, bedeutet das nicht, dass der MDK danach arbeitet. Böse ausgedrückt könnte mann auch sagen, es ist der Medizinische Dienst der Krankenkasse und nicht der des Patienten.

Mein Widerruf zur Ablehnung meines Antrages

Ebendies habe ich dann bei meinem Antrag auch erklärt. Den Leidensdruck nochmal hervorgebracht, auf die Stellungnahme meiner Therapeutin verwiesen und vor allem auch auf die Leitlinie zur Behandlung von Transgendern hingewiesen. Vor allem der Alltagstest, den ich als diskriminierend ansehe und den ich, wenn erzwungen sowieso komplett ablehne, macht mir Bauchschmerzen. Zudem ist ein Alltagstest laut dieser Leitlinie gar keine Voraussetzung. Ich lebe komplett als Frau, lasse meinen Namen ändern und den Körper angleichen. Mein Verständnis für die Ablehnung war gleich Null, sorry.

Die Ablehnung des Widerrufs kam dann recht zügig und ich muss zugeben, mit dem Ergebnis hatte ich gerechnet. Dass ich mich auf die Leitlinie stützte, war nicht von Belang, denn diese hätten keine rechtliche Grundlage. Der MDK sieht die Situation so und demnach war die Geschichte für die Krankenkasse abzulehnen. Es tue ihnen ja leid und sie könnten es verstehen, dass ich so einen Leidensdruck habe, blabla 🙁

Vergesst nicht den Widerruf auch zurückzunehmen

Auch wenn die Krankenkasse den Widerruf ablehnt, heißt das nicht, dass es dann nicht weitergeht. So habe ich nach dem Widerruf nicht mehr reagiert, unter anderem darin begründet, dass ich echt pissig war. Als ich dann neulich Post bekam, dass mein Widerruf in die nächst höhere Abteilung gegangen ist, wurde mir klar, dass der Vorgang noch läuft. Ein Widerruf muss also zurückgenommen werden 🙂 auch wenn er abgelehnt wurde – okay, gut zu wissen.

Mein Fazit – was werde ich tun

Also Antrag zurücknehmen und dann in ein paar Monaten erneut den Antrag auf Barthaarentfernung stellen. Es ist echt bitter, aber dieses Rumgemache wegen ein paar wenigen Monaten macht mich echt fertig. Ich habe vieles um die Ohren und gerade keine Kraft mehr, mich ständig über die Krankenkasse zu ärgern. In ein paar Monaten MÜSSEN sie es genehmigen, also was soll der Blödsinn.

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