Transsexueller Weg – Vor der Hormontherapie

Ich glaube, es gab noch nie etwas in meinem Leben, was ich so sehr wollte. Vielleicht war das auch einer der Gründe, warum ich sie eben bereits zweieinhalb Monate nach meinem Outing 2018 bekam. Der Beginn der Hormontherapie war für mich der eigentliche Startschuss. Nicht das Outing, nicht die Psychotherapie – das war letzten Endes nur Gerede. Wichtiges Reden, klar. Aber was bringt es, wenn man endlich auch was sehen will?! Östrogene und Antiandrogene, damit konnte ich endlich was gegen meine Geschlechtsdysphorie tun.

Früh genug um einen Endokrinologen kümmern

Ziemlich zeitgleich zu meinem Coming-Out und noch vor Beginn der Psychotherapie habe ich mich entschieden, die Selbsthilfegruppe für Transfrauen in Mannheim zu besuchen. Hier wurde unter anderem geschildert, dass Endokrinologen meistens sehr lange Wartezeiten haben. Lange bedeutet hier auch gut mal ein viertel Jahr. Das war in meinen Augen natürlich unverhältnismäßig lange und wenn ich Pech haben sollte, müsste ich bis zur Verschreibung der Hormone über ein halbes Jahr warten. Ähm, wollt ich so nicht.

Ganz ehrlich, ich wollte schnellstmöglich alles in trockenen Tüchern haben. Ich fing also an, zu telefonieren und fand einen Endokrinologen in Mannheim. Wartezeit war hier über viereinhalb Monate, also Ende Februar 2019. Was zum Teufel?? Ich nahm den Termin zwar mit, suchte aber weiter. In der Selbsthilfegruppe und auch von meinem Hausarzt bekam ich einen Endokrinologen in Heidelberg empfohlen. Aber die wollten angeblich 2 psychiatrische Gutachten für die Hormontherapie. Ich habe einen Termin Anfang Oktober bekommen.

Mein erster Termin bei einem Endokrinologen

Schwierig, diesen Termin so rückblickend einzuordnen. Ich war natürlich sehr nervös und schilderte der Ärztin alles, was ich wissen wollte zur Hormontherapie. Da ich noch kein Schreiben meiner Therapeutin hatte, wollte sie aber nicht viel machen. Sie hat mir aber empfohlen, bei Start auf Östrogen-Gel zurückzugreifen, weil ich nicht mehr so jung bin und rauche.

Am Ende hat sie sich bereit erklärt, ein großes Blutbild und eine Chromosomenanalyse zu machen. Die Dauer bis zu den Ergebnissen wären demnach ca. 2 Wochen für das Blutbild und 4 Wochen für den Chromosomentest. Der Schock kam aber, als ich den nächsten Termin bekam. Dreieinhalb Monate Wartezeit. Ich hatte gehofft, wenn ich schon mal ein Bein in der Tür habe, sollte es vielleicht schneller gehen. Kann man nix machen, wurde mir gesagt. Die Ergebnisse bekomme dann mein Hausarzt.

Das wollte ich nicht wahrhaben. Ich habe mich also auf die Suche gemacht nach einem anderen Spezialisten. Meine Angst war, monatelang mit einem fertigen Schreiben meiner Therapeutin da zusitzen und es ginge nicht weiter. Stillstand ist warten ist mist 😉 eher durch Zufall habe ich dann gelesen, dass die Uniklinik in Mannheim Transgender behandelt. Da die Station telefonisch nicht erreichbar war, habe ich eine Mail über die Kontaktseite der Klinik geschrieben. Ich habe meine Situation geschildert und auch geschrieben, dass meine Therapeutin die Indikation noch nicht geschrieben hat. Und zu meinem Erstaunen bekam ich zeitnah einen Rückruf und mir wurde ein Termin zwei Wochen später angeboten.

Mein Termin in der Endokrinologischen Spezialambulanz der Uniklinik

Ich habe es eigentlich nicht glauben können, aber zumindest die Ergebnisse des großen Blutbildes lagen vor dem Termin bei meinem Hausarzt vor. Auf dem Weg in die Klinik bin ich also noch in der Praxis vorbeigefahren und habe den Zettel abgeholt. Die Werte waren schon sehr männlich

  • Testosteron 7,0 ug/l
  • Östradiol 17-beta -E2 33,0 ng/l

Mein größtes Problem war hier nicht, die Klinik zu finden. Dieses Monstrum ist von der Straßenbahn aus eigentlich nicht zu übersehen. Die Spezialambulanz ist in Haus 11 untergebracht, aber wenn du nervös und aufgeregt bist und absolut keinen Orientierungssinn hast, bist du in so einem Komplex echt aufgeschmissen. Ich hätte mich gerne an die Information gewandt, aber auch das Haus fand ich nicht. Dafür habe ich kurz vor knapp einen großen Lageplan entdeckt. Und wenn ich was bei der Bundeswehr gelernt habe, ist es Karten zu lesen 🙂 gesucht, gefunden und losgerannt.

Ich kam absolut pünktlich an und nach dem obligatorischen Papierkram bei den Schwestern wurde ich auch direkt mit Frau Schoob angesprochen. Obwohl ich eigentlich in weitem Pulli und Skinny Jeans eher wie ein schwuler Kerl aussah 🙂 aber ich fands toll und so setzte ich mich in den Wartebereich. Naja, Termin heißt nicht, dass du dann auch drankommst, das musste ich direkt mal feststellen. Nach rund 2 Stunden Wartezeit war ich dann endlich dran. Ich wurde vom Sektionsleiter, einem echt netten Professor persönlich abgeholt – was für ein Service 🙂

Wir gingen dann auch gleich die Fakten durch. Ich drückte ihm die Blutergebnisse in die Hand und auch meinen transsexuellen Lebenslauf. Er sagte mir, dass er mich behandeln kann, wenn das Schreiben meiner Therapeutin vorliegt und ebenso die Ergebnisse der Chromosomenanalyse. Hier sollte demnach eine Intersexualität ausgeschlossen werden. Darüber hinaus gingen wir die möglichen Medikamente durch, die ich bekommen kann. Androcur wollte ich auf jeden Fall. Ich wollte, dass es schnell geht und die vorauszusehende abnehmende Libido durch dieses Medikament war ja sowieso mein Wunsch. Er empfahl mir dann auch Gynokadin Gel, ein Östrogenpräparat, welches am besten auf die Arme aufgetragen wird.

Der Termin war nach rund 15 Minuten vorbei und ich verließ die Klinik mit dem Gefühl, wieder einen Schritt nach vorn gemacht zu haben.

Warten auf die Ergebnisse und die Indikation

Wie ihr in dem Artikel über meine Psychotherapie lesen konntet, hat es bis zum 20. Dezember 18 gedauert, bis ich die Indikation meiner Therapeutin ausgestellt bekommen habe. Die Chromosomenanalyse lag mir schon am 11. Dezember vor mit einem unauffälligen Karyotyp: 46, XY – ich war also genetisch ein Mann. Mit den nun vorliegenden Unterlagen machte ich mich ans Telefon und rief wieder in der Klinik an. Die sehr nette Schwester am anderen Ende sagte mir, dass der Professor Urlaub hat, aber ich könnte direkt am 03. Januar 19 vorbeikommen. Oh was habe ich Luftsprünge gemacht, diese paar Tage würde ich auch noch rumkriegen. Und ganz ehrlich, wieso bekommt es die Klinik hin mir regelmäßig, sogar über die schwierige Zeit zwischen den Jahren, Termine innerhalb von 14 Tagen zu geben, aber die Praxen, die genau dasselbe machen brauchen Monate für einen Termin? Keine Ahnung.

Der Tag, der mein Leben veränderte

Am 03. Januar saß ich also wieder in der Klinik und übergab dem Professor die fehlenden Unterlagen. Dann beriet er mich nochmal zu Androcur und Gynokadin. In meiner Familie gab es ja bislang keine Fälle von Thrombosen aber ich sollte lange Auto- und Zugfahrten meiden. Fliegen tu ich ja eh nicht, von daher fiel das Thema weg. Wenn ich einen Unfall habe, Knochenbrüche oder Blutungen, soll ich auf jeden Fall angeben, dass ich diese Medikamente nehme, damit ich entsprechend behandelt werden kann. Androcur geht ja auf die Leber und Östrogene auf die Nieren, genauso wie viele Schmerzmittel.

Die Medikation sollte zu Beginn 10mg Androcur pro Tag und 4 Hübe Gynokadin sein.

Dann druckte er mir ein Rezept aus und ich ging. Also ich rannte eher, damit ich noch zu einer Apotheke kam, die mir die Sachen ausgeben konnte. Ich musste ja auch zur Arbeit, aber lieber kam ich zu spät als dass ich noch einen Tag warten musste 🙂 meine Apotheke auf dem Weg hatte aber nur das Gel da. Androcur musste bestellt werden, da es ein Reimport und nicht auf Lager ist. Also startete ich demnach am 03. Januar mit Östrogen und am 04. Januar mit den Blockern. Was für ein Jahresbeginn!

 

 

 

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.