Umgehen mit Stimmungsschwankungen während der Hormontherapie

Oh was habe ich gelitten 🙂 Stimmungsschwankungen waren gerade zu Beginn der Hormontherapie ein Dauerthema bei mir. Die ersten zwei Monate cirka war ich ein Wrack. Mir ging es gut, mir ging es schlecht und meist fing ich aus den merkwürdigsten Gründen an zu weinen. Ambivalenz war mein zweiter Vorname geworden, ich fuhr auf einer Achterbahn der Gefühle.

Stimmungsschwankungen sind völlig normal

Es war leider so und ich höre es von so vielen. Sobald die Östrogenwerte stiegen und das Testosteron fiel, ging es bei mir los. Dabei wurde ich anfangs von diesem Gefühlschaos völlig überrascht. Es war so, als breche alles über mich ein. Ich fühlte mich auf einmal so unwohl und wollte nur noch raus aus meiner Haut. Ich maulte jeden an, auch mich selbst und das ging teils so weit, dass ich echt laut werden konnte. Das war absolut nicht böse gemeint, aber ich wusste in der Situation mit mir selbst nicht umzugehen 🙁 Minuten später war von diesem Zustand nicht mehr viel zu spüren, ich lachte, machte Witze und fühlte mich auf einmal echt super. Nur um dann wenig später einen Heulkrampf zu bekommen. Der Auslöser war, wenn es überhaupt einen gab, meist banal. Ein blöder Gedanke, ein Bild auf dem Handy oder ein falsches Wort reichten schon aus. Damit sind wir Transfrauen ja auch nicht allein, das machen wohl die meisten Mädels irgendwie mal durch, mal mehr, mal weniger 🙂

Der Anfang war echt schwierig

Ich habe die Stimmungsschwankungen zu Beginn einfach über mich ergehen lassen – genauso wie meine Mitmenschen übrigens, ich habe nicht ein böses Wort gehört, außer vielleicht mein eigenes 😉

Dann habe ich gemerkt, dass es besser wurde, wenn ich entspannende Dinge tat. Dinge, die mir Spaß machten und die mir halfen, die Seele baumeln zu lassen. Wenn ich nur fünf Minuten abschalten konnte, hat mir das echt geholfen. Das war zum Beispiel ein Bad oder eine heiße Dusche, mich an einen ruhigen Ort setzen und einfach mal die Augen zumachen. Das mit dem ruhigen Örtchen half übrigens gut auf meiner alten Arbeitsstelle. Wenn ich merkte, dass es nicht mehr ging, bin ich auf die Dachterasse, habe mich hingesetzt und die Augen zugemacht. Kein Handy, keine Kollegen. Einfach nur ich mit mir selbst 😉 Oder ich habe was leckeres gegessen. Bewegung half auch, ob es nun ein Spaziergang oder Sport war, spielte dabei eigentlich keine Rolle. Die Gefühle rauszulassen, habe mir übrigens im Nachhinein auch gut getan (in dem Moment natürlich irgendwie nicht 🙂 ). Beispielsweise wenn ich das Gefühl hatte weinen zu müssen, habe ich es einfach geschehen lassen. Das nahm mir auch ein bisschen die Anspannung und obwohl ich danach total verheult aussah, ging es mir besser. Rumheulen war auf der Arbeit natürlich nicht so prickelnd, ist aber auch nicht so oft vorgekommen, meist konnte ich dann auf dem Klo verschwinden. Und da ich meist nicht geschminkt war, ist nix verlaufen.

Ich lernte meinen Körper kennen

Mit der Zeit haben diese Stimmungsschwankungen stark nachgelassen, einerseits vom Abstand her aber auch von der Intensität. Das lag auch daran, dass sich die Hormonwerte mittlerweile gut eingestellt hatten. Ich habe ein gutes Gefühl bekommen zu merken, wenn es anfängt, mir schlechter zu gehen. Es ist schwer zu beschreiben, woran ich das festmache, dass es wieder losgeht. Da jeder Mensch anders ist rate ich, auf den Körper zu hören und zu achten. Hört also auf euren Körper und arbeitet mit eurem seelischen Zustand, anstatt dagegen anzukämpfen. Und macht euch nicht so viele Gedanken um die Mitmenschen, denn sie merken zwar, dass bei euch etwas anders ist und manchmal könntet ihr sie etwas nerven. Aber es völlig menschlich, mal einen schlechten Tag oder einfach seine fünf Minuten zu haben.

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