Wie outen wenn man Kinder hat

Outing oder eben Coming-Out als Transgender ist generell nicht immer so einfach. Vor allem bei nächsten Verwandten kann es da schon viel Überwindung kosten und auch Ängste bereiten, sich zu offenbaren. Partner, Eltern, Geschwister, Großeltern – irgendwann bekommen es wohl alle mit. Aber was ist mit den Kindern? Und mit Kindern meine ich jetzt wirklich Kinder im Kindergarten- oder Grundschulalter. So war es bei uns 🙂

Hol das andere Elternteil mit ins Boot

Meines Erachtens ist es ganz wichtig, zuerst mit dem anderen Elternteil zu sprechen. Egal, wie das Verhältnis zueinander ist, es geht hier ums Kind und da sollte man an einem Strang ziehen. So haben wir es auch gemacht. Einerseits haben meine Exfrau und auch meine Ex-Lebensgefährtin keine Luftsprünge gemacht, als ich mein Coming-Out hatte. Aber klar war, dass die Kinder irgendwie davon erfahren müssen. Und klar war auch, dass wir es für sie so einfach wie möglich machen wollen. Aus dem Grund war es sogar möglich, dass wir uns zu dritt hingesetzt und geredet haben. Kommunikation ist ungemein wichtig, wie immer eigentlich, aber in diesem Kontext in besonderem Maße.

Kinder sind sensibel

Klar ist, dass das Thema Coming-Out behutsam angegangen werden sollte. Kinder sind sensibel und können ihre Gefühlslage meist schlecht wiedergeben. Mit der Brechstange erreicht man bei Kindern daher selten etwas. Ein „so ist es jetzt und basta“ bewirkt wohl genau das Gegenteil von dem, was erwünscht ist. Auch wenn Kinder eben Kinder sind, so ist es doch möglich, kind- und altersgerecht mit ihnen zu reden.

Kinder sind individuell – so ist auch das Outing

Meine kleine Tochter war drei Jahre, als ich mich outete. Ich fing an, Frauenkleidung vor ihr zu tragen, Perücke und Makeup. Sie fragte mich, warum ich das mache, ich sehe ja aus wie eine Frau. Ich sagte ihr, ich bin auch lieber eine Frau. Transgender habe ich vermieden zu sagen, da sie damit gar nichts anfangen kann. Sie sagte daraufhin, ich habe richtig schöne Haare und wollte sie immer anfassen. Ich habe ihr situationsbedingt erklärt, warum ich das mache, was ich mache. Und es ihr geduldig immer wieder erklärt. Dass ich eine Frau bin, aber sie trotzdem noch Papa sagen darf, wenn sie das möchte. Sie bekam das schnell in ihren süßen Kopf. Wichtig war mir, geduldig mir ihr zu sein und so offen und ehrlich, wie es nur geht. Und meine Kleine hat schnell gesehen, dass es mir in meiner Haut gutgeht. Auch das Coming-Out im Kindergarten stand bald an. Uns war wichtig, dass die Erzieher bescheid wussten. Auch hier hat sich gezeigt, dass Kommunikation enorm wichtig ist. So konnten die Erzieher mit den anderen Kindern reden, wenn etwas sein sollte. Oder auch mit den Eltern. Es ist nie etwas vorgefallen, aber die Sicherheit, dass alle involviert sind und gut damit klarkommen, hilft allen Seiten. Sie bekam von mir zudem das Bilderbuch „Teddy Tilly“. Das ist sehr altersgerecht und echt zu empfehlen 🙂

Mit meiner zehnjährigen Tochter haben wir uns hingesetzt, bevor ich mich in Frauenkleidern gezeigt habe. Ich habe gesagt, dass ich lieber eine Frau bin, aber ich trotzdem noch derselbe Mensch bin. Dass sich zwischen uns nichts ändern wird und dass sie immer alles fragen kann. Auch gegenüber der Mutter. Im ersten Moment konnte sie es nicht ganz zuordnen, das habe ich an ihrer Reaktion gemerkt. Aber auch hier war das Motto, so offen und ehrlich zu sein und nichts zu verstecken. Das hat mir rückblickend einige Türen geöffnet, wenn sie nicht schon offen waren 😉

Offen, ehrlich, frei sein

So ungefähr hat es ganz gut funktioniert. Natürlich reagiert jedes Kind anders, weswegen man schlecht Ratschläge fürs Outing als Transgender bei Kindern geben kann. Nur soviel. Verstecke nichts, sei ehrlich und offen und beantworte alle Fragen, die das Kind hat. Und verzweifel nicht, wenn es am Anfang vielleicht nicht so rund läuft. Bedenke bitte, dass du deinem Kind ein Rollenbild, eine Identifikationsfigur nimmst in gewissem Maße. Zieht alle an einem Strang und zeige Verständnis für jedes Verhalten des Kindes. Das öffnet auch einige Türen 🙂 da bin ich mir sicher.

 

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.