So findet ihr als Transgender einen Psychotherapeuten

Ein Psychotherapeut ist grundlegende Voraussetzung, um als Transperson legal an Hormone zu kommen. Auch ist es aktuell gewollt, dass eine anderthalbjährige Therapie gemacht wird, bevor man die Bewilligung der Krankenkasse für die geschlechtsangleichende Operation erhält. Aber auch für Behandlungen zwischendurch, wie zum Beispiel die Epilation der Barthaare, kann die Kasse (in lästiger Zusammenarbeit mit dem MDK) eine gewisse Dauer der Therapie verlangen. Doch wie findet man nun einen passenden Therapeuten, der auch das Indikationsschreiben für die Hormontherapie ausstellt?

Welche Voraussetzung sollte mein Therapeut mitbringen

  • Der Therapeut sollte ein Psychologischer Psychotherapeut sein – Verhaltenstherapeuten z.B. machen meiner Meinung nach auch keinen Sinn
  • Es muss kein Fachmann für Transmenschen sein, aber die Bereitschaft mitgebracht werden, sich einzuarbeiten
  • Er muss dem Thema offen gegenüber stehen
  • Die Chemie muss stimmen
  • Ihm sollte nach Ausschluss aller Kontraindikationen (z.B. Persönlichkeitsstörung) ebenfalls daran gelegen sein, die Stellungnahme für die Vergabe der Hormone auszustellen
  • Optional: Eine passable Erreichbarkeit, da ihr zu Beginn wahrscheinlich ein- oder zweichwöchentlich anfahren müsst

Anlaufstellen für örtlich ansässige Therapeuten

Dein Therapeut sollte meiner Meinung nach nicht all zu weit weg praktizieren. Das ist natürlich nicht immer einfach, gerade wenn ihr etwas ländlicher wohnt. Aber gerade zu Beginn müsst ihr in kürzeren Abständen dort auftauchen und besonders wenn ihr kein Auto habt, kann es Zeit, Geld und Nerven kosten, auf den ÖPNV zu setzen.

Eine super Anlaufstelle ist eine Selbsthilfegruppe für Transmenschen in eurer Umgebung. Die Betroffenen hier sind in der deselben Situation wie ihr. Seht es also als Möglichkeit, Informationen direkt aus erster Hand zu bekommen. Die nächste Selbsthilfegruppe für Transgender findet ihr recht schnell und einfach über Google (bezieht auch umliegende, größere Städte in die Suche mit ein).

Therapeuten mit Trans-Erfahrung findet ihr auch über TransMann.de – im übrigen sind hier auch Endokrinologen und Operateure zu finden. Mir ist es leider vorgekommen, dass Therapeuten mit Erfahrung in der Begleitung von Transgendern oft über Monate ausgebucht sind und teilweise sogar auf das kommende Jahr verweisen. Das ist, verständlicherweise, nicht zumutbar. Man hat schließlich so lange gewartet, sich zu outen, den Schritt zu gehen und dann keine Lust, noch monatelang auf den ersten Therapietermin zu warten.

Mein Ansatz war zunächst die direkte Suche über Google und gleichzeitige Ausweitung auch auf dem Thema unerfahrene Therapeuten. Die Aussage vieler war, dass sie mich zwar begleiten und auch das Thema Transsexualität interessant finden, aber kein Schreiben für die Hormonvergabe ausstellen. Das macht in meinen Augen keinen Sinn, es sei denn, ihr wollt keine Hormone nehmen.

Eine weitere Möglichkeit, und über die bin ich dann fündig geworden, ist die Webseite Therapie.de. Das tolle an dieser Seite ist die Angabe der verschiedenen Schwerpunkte der Therapeuten und ob sie aktuell freie Plätze haben. Bei vielen steht auch mit dabei, dass sie Patienten im Bereich LGBT behandeln. Achtet auch darauf, dass die Therapeuten eine Kassenzulassung haben – das Kostenerstattungsverfahren, was von einigen angeboten wird, habe ich nicht weiter in Betracht gezogen.

Weitere Tipps bezüglich der Therapie

Wenn ihr den Therapeuten nicht erreicht, sprecht auf den Anrufbeantworter. Viele haben auch eine Webseite mit Kontaktformular oder eine Email-Adresse angegeben. Sagt oder schreibt kurz, worum es geht. Dass ihr trans seid, eine therapeutische Begleitung benötigt und (ganz wichtig, wenn ihr das wollt), dass ihr die „Stellungnahme zur Indikation einer gegengeschlechtlichen Hormontherapie“ benötigt. Und vergesst eure Kontaktinformationen nicht 😉

Trotz der Angabe, dass freie Plätze verfügbar sind, wird sich nicht jeder Therapeut zurückmelden. Die Erfahrung habe ich gemacht, allerdings war die Rückmeldequote bei etwa 70:30. Hakt ruhig noch einmal nach, aber forciert dann besser die Suche weiter. Also nicht den Kopf in den Sand stecken 🙂

Lasst euch überall, wo es geht, auf die Warteliste setzen. Oftmals springen Patienten ab und dann seid ihr an der Reihe. Ihr geht damit keine Verpflichtung ein und je mehr Türen ihr euch offenhaltet, umso besser oder?

Wenn ihr einen Therpeuten gefunden habt, der euch als Transgender begleitet, habt ihr 5 Sitzungen Zeit um zu schauen, ob die Chemie stimmt. Wahrscheinlich werdet ihr froh sein, jemanden gefunden zu haben, sodass ihr gar nicht weiter suchen wollt. Aber wenn es zwischenmenschlich gar nicht geht, zum Beispiel weil ihr euch nicht öffnen könnt, dürft ihr weitersuchen. Immerhin sollte die Therapie im Idealfall mindestens bis zu einer möglichen geschlechtsangleichenden OP und darüber hinaus stattfinden. Ihr verbringt also einige Zeit miteinander.

Habt keine Scheu, bei der Suche und Kommunikation mit eurem Wunschnamen aufzutreten. Euer Gegenüber wird da sicher Rücksicht drauf nehmen.

Ihr müsst nicht, wenn ihr eine Transfrau seid, unbedingt als Frau zur Therapie gehen. Es ist nämlich durchaus verständlich, wenn ihr zu Beginn der Transition eventuell in der „neuen“ Rolle noch nicht so gefestigt seid. Ich zum Beispiel hatte meine erste Sitzung am 18.10.18 und bin, trotz zwischenzeitlichem Beginn der Hormontherapie im Januar 2019, erst Mitte 2019 zum ersten Mal als Frau dort erschienen.

Nehmt direkt zur ersten Sitzung einen transsexuellen Lebenslauf mit. Der muss nicht handgeschrieben sein (um Gottes willen 🙂 ) aber sollte eure transsexuelle Entwicklung aufzeigen. Der Therapeut kann sich den dann in Ruhe durchschauen und im Idealfall schon beim nächsten Termin anfangen, Punkt für Punkt mit euch durchzugehen.

So, ich denke, das war es im Großen und Ganzen 🙂 ein letzter Tipp vielleicht noch: Macht euren Mund auf, sagt was ihr wollt und was euch wichtig ist. Es ist schließlich euer Leben!

 

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