Transsexueller Lebenslauf – Ratgeber

Hallo ihr Lieben,

viele haben schon davon gehört, andere sitzen vor dem PC und wissen nicht, was Masse ist. Die Rede ist vom „transsexuellen Lebenslauf“. Wofür wird dieser aber benötigt und warum? Und wie kann so ein Lebenslauf denn nun aussehen? Ich hoffe, dieser Artikel kann dir ein wenig weiterhelfen 🙂

Was ist ein transsexueller Lebenslauf

Im Grunde werden hier chronologisch die Erfahrungen deines transsexuellen Lebens niedergeschrieben. Dieser kann dir als betroffene Person, aber auch anderen Menschen, wie Therapeuten, Behörden etc. helfen, sich einen Überblick über deinen Werdegang und deine Situation zu verschaffen. Er ist formlos und kann beliebig gestaltet werden.

Wofür brauche ich den Lebenslauf

Für mich war es selbst wichtig, meinen Werdegang nochmal Revue passieren zu lassen. Zu der Zeit war meine „Selbstdiagnose“, die laut meinem Gutachter ja eigentlich gar keine ist, schon durch. Ich war mir klar, dass ich eine Frau bin und lebte schon länger als drei Jahre unter dem sogenannten Zwang, das auch ausleben zu wollen. Aber es war eben ein Stück Aufbereitung für meinen weiteren Weg, denn gerade die letzten Jahre hatten viel Kraft gekostet. Für mich selber hat das Verfassen des Lebenslaufes also schonmal was gebracht 🙂

Dann habe ich diesen transsexuellen Lebenslauf meiner Therapeutin bei unserer ersten Sitzung in die Hand gedrückt. Sie hatte den auch bis zur zweiten Sitzung durchgearbeitet, sodass schon einmal viel klar oder zumindest angeschnitten war. Dadurch habe ich vielleicht etwas Zeit bis zur Indikation eingespart, da wir nicht mein transsexuelles Leben mündlich erarbeiten mussten.

Dazu hat dann mein Endokrinologe eine Kopie erhalten. Nicht unbedingt weil es von ihm verlangt wurde, aber mein behandelnder Professor hat sich die Seiten vor der Hormongabe auch durchgelesen.

Beim Antrag auf Vornamens- und Personenstandsänderung hat das Gericht ein Original von mir erhalten. Das Amtsgericht in diesem Falle hat dann weiter Kopien an die Gutachter verteilt, die ja für die Änderung aufgesucht werden müssen.

Der MDK wollte außerdem eine Kopie meines Lebenslaufes haben, als ich bei der Krankenkasse den Antrag auf Entfernung der Barthaare gestellt habe.

Ihr seht also, dass diese paar Seiten euch auf eurer Transition begleiten und oft verlangt werden. Mein Tipp ist, den transsexuellen Lebenslauf nicht frei von Hand zu schreiben, sondern am PC und ihn auch weiter zu führen. Auch wenn ihr irgendwann nicht mehr danach gefragt werdet und ihr ihn nie mehr vorlegt, könnt ihr für euch die Zeilen immer wieder lesen und Kraft tanken mit dem Gedanken, wie weit ihr schon gekommen seid.

Wie sieht der Lebenslauf denn nun aus

Ganz einfach: So wie du ihn haben willst. Natürlich sollte er einigermaßen ausführlich und chronologisch sein. Chronologisch bedeutet eben, dass es nicht wild durcheinander ist, sondern geordnet, damit der Leser auch klarkommt. Du kannst das Ganze in Zeiträume gliedern,  zum Beispiel „sechs bis zehn Jahre“ und dann schreibst du da deine Erinnerungen und Gefühle rein. Und dann gehts weiter mit „elf bis fünfzehn Jahre“ und so weiter.

Und ausführlich genug bedeutet eben, dass ihr nicht alles kurz und knapp schreiben solltet, denn das könnte wieder Rückfragen nach sich ziehen, was Zeit und Geduld kostet. Aber auch hier wieder: Das ist euch überlassen.

Das hier habe ich in jeden Abschnitt meines Lebenslaufes eingebaut:

  • Die für mich wichtige Situation, die mit meinem transsexuellen Weg zu tun haben
  • Meine Gefühle zu der Zeit; also war ich glücklich, traurig, depressiv, hatte vielleicht Ängste oder war ich zerrissen

Ich muss auch noch dazu sagen, dass es keine vordefinierte Länge für den Lebenslauf gibt. Es ist ja nunmal so, dass ich wahrscheinlich als 38 jährige Frau etwas mehr aufzuschreiben habe, als eine 18 jährige, der ich 20 Jahre voraus bin (ist nur eine Vermutung, ich kann mich auch irren, keine Ahnung ich merke nur gerade, wie alt ich eigentlich bin). Meinen Lebenslauf habe ich zudem nicht in Stichpunkten verfasst, sondern ausgeschrieben. Eigentlich sollte das für deine Ziele aber unerheblich sein. So kann es für den einen einfacher sein, alles schön in Sätzen zu formulieren. Andere haben damit Schwierigkeiten. Es kann also meiner Meinung nach niemandem zum Nachteil ausgelegt werden.

Einfach schreiben

Du siehst also, es ist kein Hexenwerk und die Tipps hier habe ich auch für mich selbst verwendet. Eine Beanstandung seitens Gericht, Gutachter oder sonstwem gab es Gott sei dank nie. Auch habe ich den Lebenslauf nie gegenlesen lassen. Weder von Freunden noch von Verwandten. Das hätte unter Umständen dazu geführt, dass sie nach Fehlern suchen oder so und das wollte ich für mich nicht.

Meine Erinnerungen, meine Gefühle 🙂

In dem Sinne, bis zum nächsten Mal.

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